Ein Billigfahrrad als Alltags- und Tourenrad: Teil 1

Teil 1: Die Ausgangslage –

Ein gutes Fahrrad in Berlin über einen längeren Zeitraum öffentlich abzustellen ist mutig. Laut Kriminalstatistik wurden in Berlin 2016 täglich 94 Fahrräder geklaut, insgesamt 34.418, die Aufklärungsrate lag bei schlappen 3,5 Prozent. Meine bisherige persönliche Lösung dazu sieht so aus: Ein günstiges Fahrrad für den Alltag (ist für einen Dieb weniger attraktiv und tut nicht ganz so weh wenn es dann doch entwendet wird) sowie ein gutes Trekkingbike für ausgedehnte und mehrtägige  Touren. Im Jahr 2009 kaufte ich bei einem großen Berliner Fahrradhändler für 299,- Euro ein neues Fahrrad mit einer Shimano Nexus 8 Freilaufnabe. Für die Stadt eine ausgezeichnete Wahl, aber für Touren mit größeren Steigungen eher weniger geeignet. Aus diesem Grund investierte ich einige Zeit später in ein zusätzliches Trekkingbike der Marke Radon (TLS 9.0, XT Vollausstattung, 27 Gänge, Magura Bremse HS33), das ich im Winterangebot für 899,- Euro erstand, bei dieser Ausstattung ein super Preis.

Somit bin ich also bestens versorgt, ein preiswertes Alltagsrad für die tägliche Fahrt zur Arbeit oder für Einkäufe und ein hochwertiges Trekkingbike für die Tour.

Viele überzeugte Fahrradfahrer bezeichnen Fahrräder die weniger als 500,- Euro kosten gern als Billigräder. Diese Ansicht wird leider durch zahlreiche Tests in Fahrrad-Fachzeitschriften manifestiert, hier beginnen die Preise der Testkanditaten oft bei ca. 600,- Euro, die höherwertigen Räder können dann auch schon mal die 3000,- Euro Marke überschreiten. Auch in einschlägigen Fahrradforen wird immer wieder in Beiträgen darauf gepocht das nur Fahrräder jenseits der 500,- Euro Marke wirklich glücklich machen. Den Kritikern von Billigrädern möchte ich sagen das ich den Kauf des preiswerten Alltagsrades bis heute nicht bereut habe, auch nach 8 Jahren und ca. 20000 km rostet, knarzt und knackt nichts, die 8-fach Nabe schaltet immer noch zuverlässig. Verschleißteile wie Ritzel, Kette, Kettenblatt und Bremsgummis wurden von mir natürlich, wenn nötig, erneuert. Insgesamt ist die Nabenschaltungsvariante im Gegensatz zur Kettenschaltung relativ wartungsfreundlich.

Meine bisherige Lösung bringt aber auch Nachteile:

1. Hoher finanzieller Aufwand
Es wäre verkehrt, hier nur die reinen Anschaffungskosten der Räder zu betrachten, denn (fast) jeder Fahrradkauf zieht Folgekosten nach sich, bei Billigrädern in der Regel mehr als bei hochpreisigeren Modellen. Da wäre zunächst einmal die Investition in ein gutes Fahrradschloss, in der Regel sollte man 10 Prozent des Fahrradkaufpreis für ein Fahrradschloss einplanen. Für das Alltagsrad habe ich ein Abus Panzerkabelschloss für ca. 30,- Euro sowie für das Trekkingbike ein Abus Bordo Granit 6500 Faltschloss für ca. 80,- Euro angeschafft. Schutzkleidung wie Fahrradhelm, Regenkleidung, etc. sind ebenfalls zu budgetieren. Damit aber nicht genug, folgende Teile wurden im Laufe der Zeit zusätzlich getauscht und ließen die Gesamtkosten letztendlich steigen.

Alltagsrad:

Trekkingbike:

Wenn man mal die Summe der Einzelposten addiert kostet das sogenannte Billigrad unterm Strich auf einmal fast 500,- Euro und auch das Trekkingrad übersteigt dann locker die 1000,- Euro-Marke. Was bei mir noch dazu kam war die Zusammenstellung zweier unterschiedlicher Werkzeugtaschen und die Anschaffung zweier Ersatzschläuche (Blitzventil und Autoventil) für die Räder.
Solange Händler nicht bereit sind individuelle Anpassungswünsche relativ kostenneutral umzusetzen oder Online einen guten Konfigurator anbieten wird man immer mit entsprechenden Folgekosten rechnen müssen.

2. Erhöhter Wartungsaufwand durch zwei Fahrräder
Auch wenn man natürlich nicht zwei Räder gleichzeitig benutzt erhöht sich der Wartungsaufwand insgesamt. Grund dafür ist u.a. dass, gerade in der Stadt, ein auch unbenutztes Rad in kurzer Zeit einstaubt. Das bedeutet, dass Kette und Schaltkomponenten vor einer Tour von mir einer kleinen Reinigung unterzogen werden, von den anderen Teilen mal ganz abgesehen. Abhilfe kann hier durch die Abdeckung der Teile durch Tücher o.ä. erfolgen, das ist lästig. Es muss immer der Luftdruck von vier statt zwei Reifen geprüft werden und insgesamt investiert man mehr Zeit in Schrauberarbeiten.

3. Platzbedarf für zwei Fahrräder
Während das Alltagsrad im Fahrradkeller abgestellt wird hat das gute Trekkingbike seinen Platz in der Wohnung, das geht vom Platz her einigermaßen gut ist aber nicht unbedingt schön.

 

Demnächst steht der Austausch der vorderen Felge des Alltagsrades an, der Indikatorstreifen der Felge ist durch die V-Brake Bremsgummis soweit runtergeschrubbt, dass er kaum noch sichtbar ist. Ein komplettes Laufrad mit Nabendynamo gibt es bei Taylor Wheels für unter 50,- Euro.

Die Überlegung:
Aufgrund der oben genannten Nachteile  und Angesichts der bevorstehenden Investition in ein neues Laufrad habe ich mich entschieden meine zukünftige Fahrradstrategie zu ändern. Das auch preiswertere Fahrräder gut funktionieren hat mein Alltagsrad bewiesen.

Das Ziel:
Alle gewünschten Funktionen wie Alltags- und Tourentauglichkeit sowie minimalem Stress beim öffentlichen und/oder unbeaufsichtigten Abstellen des Rads sollen in einem Fahrrad konsolidiert werden. Konkret bedeutet dies ein Fahrrad zu finden welches einen Kompromiss aus akzeptablen Komponenten bei gleichzeitig günstigem Preis bietet. Die bisherigen Fahrräder werden dann natürlich verkauft.

Die Entscheidung:
Nach längerer Recherche habe ich mich für das Ortler Mainau (Modell 2017, 399,- Euro) des Online-Fahrradversenders fahrrad.de entschieden.

Warum die Wahl auf dieses Fahrrad gefallen ist, die Überlegungen dazu sowie die technischen Details beschreibe ich in Teil 2 des Blogs.

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